In vino historia

Das Erbe der Römer kann man heute noch schmecken. Der Weinbau begleitet die menschliche Zivilisation schon seit Jahrtausenden. Es ist daher kein Wunder, dass diese geschichtsträchtige Form der Landwirtschaft tiefe Wurzeln im kulturellen Leben geschlagen hat. Gerade in Zeiten steigender Besinnung einer bewussten Lebensweise und dem Respekt vor der Natur erscheinen Wein und Weinbau zu Recht wieder vermehrt im Rampenlicht des Interesses zu stehen. So ist es jedenfalls bei Thomas.

Winzergeschichten

Als Enkel einer Bauernfamilie aus dem österreichischen Marchfeld erahnte Thomas schon als Kind die fundamentalen Herausforderungen der Landwirtschaft. Erst im Erwachsenenalter kehrte er aktiv zu diesen Ursprüngen zurück und bewirtschaftet seit dem Jahr 2017 einen kleinen Weingarten am Wiener Bisamberg. «Die Arbeit in der Natur bietet einen optimalen Ausgleich zur Schnelllebigkeit des globalen Finanzmarkts und dessen Regulierungsdynamiken», erzählt Thomas.

Zwischen den Weinreben fühlt sich Thomas wohl, weshalb er für den FMA-Karriere-Reiseblog diesen Ort ausgesucht hat: Die Hofkellerei des Fürsten von Liechtenstein. Mit dem Erwerb der Grafschaft Vaduz im Jahr 1712 ging auch der Herawingert, so der Name des Weinbergs, in den Besitz des Fürstenhauses über.

Kultur und Genuss in der fürstlichen Hofkellerei

Der Herawingert präsentiert sich als der traditionellste und bedeutendste Weinberg im Fürstentum Liechtenstein. Seine vier Hektar Rebfläche bieten reichlich Platz für exzellenten Weinanbau in bester Lage. Südwestlich ausgerichtet, mildes Föhnklima und schiefer- sowie kalkreicher Boden – nicht ohne Grund zählt der Herawingert zu den besten Reblagen im Rheintal.

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Präzision & Authentizität als Teil der Herstellungsphilosophie

Lesen – maischen – keltern – gären – filtern – reifen: Interessiert hört Thomas bei der Führung durch die Produktions- und Gärstatte der fürstlichen Hofkellerei zu. Die Ernte am Herawingert erfolgt von Hand. Anschliessend wird sie vom Kellermeister zu Wein verarbeitet – hier in Liechtenstein ist es Pino Noir und Chardonnay.

Vorbei an der Weinpresse, der Abfüllanlage und zahlreichen Fässern wird Thomas zu einer schweren Holztür geführt, hinter der sich die alten Weinschätze der Hofkellerei befinden. Am Herawingert wird nämlich nicht erst seit gestern Wein angebaut. In all den Jahren haben sich viele kostbare Weine herausgebildet, geprägt durch Frische, Präzision, Authentizität und Inspiration im Verarbeitungsprozess, aber auch durch stetige Veränderungen…

«Die einzige Konstante ist die Veränderung»

Wie es Heraklit damals so schön formulierte, unterliegen auch die Weinbauern einer stetigen Veränderung der Bedingungen für den Weinbau. Die Auswirkungen des Klimawandels stellen sie vor die Notwendigkeit wesentlicher struktureller Anpassungen. So stellt auch die fürstliche Hofkellerei in Vaduz – mit dem Ziel stabiler Nachhaltigkeit und Qualität – auf «biologischen Weinbau» um.

Thomas ist sichtlich begeistert, baut auch er seinen Wein biodynamisch an: «Die spannende Führung durch die Hofkellerei hat mir nicht nur die Produktpalette des Hauses, sondern auch deren geschichtliche Einbettung in die Region, nähergebracht. Es beeindruckt mich dabei immer wieder, wie viele Dekaden und Generationen an Weinbauern ein Weinberg im Laufe seiner landwirtschaftlichen Existenz erlebt.»

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Götter
Alle guten Dinge sind Drei

Gleich drei Mal freuen darf sich Thomas am Schluss der Besichtigung der Hofkellerei: Zuerst, als er feststellt, dass in Liechtenstein mittlerweile auch moderne «PiWi-Sorten» angebaut werden: «Das sind sehr innovative Weine aus pilzwiderstandsfähigen Rebsorten. Sie weisen eine hohe Widerstandsfähigkeit gegen Pilzkrankheiten, wie beispielsweise Mehltau, auf und ermöglichen eine deutliche Reduzierung des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln».

Ebenso viel Freude bereitet ihm der köstliche «Zvieri» aus der hauseigenen Gastronomie und die anschliessende Weinverkostung. Thomas darf sowohl zwei Pino Noir – den «Bocker» sowie den «Herawingert» – als auch zwei Weissweine – einen Riesling und einen Blanc de Noir – probieren.

Die meiste Freude…

…hat Thomas jedoch zum Abschied, als er erkennt, dass der Rasenmäher der Hofkellerei mittlerweile durch eine Herde Schafe ersetzt wurde. Nur «schade, dass man Wein nicht streicheln kann»! (Kurt Tucholsky)

Thomas Stern, Stv. Leiter Abteilung Aufsicht im Bereich Banken

Bei der FMA bin ich als stellvertretender Leiter der Abteilung Aufsicht im Bereich Banken tätig. Eines meiner grossen Anliegen ist die Wissensvermittlung, weshalb ich unter anderem auch als assoziierter Wissenschaftler an der Universität Liechtenstein forsche und lehre. Im Jahr 2020 veröffentlichte ich die Monographie «Bankenaufsichtsrecht im Europäischen Wirtschaftsraum». Seit dem Jahr 2017 betreibe ich selbst einen kleinen Weingarten am Wiener Bisamberg.

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