Ein Haus voller Leben

«Hier fühlt es sich ein bisschen so an, als wäre die Zeit stehen geblieben.» Marco steht vor dem über 160 Jahre alten Gebäude des Militärmuseums auf der St. Luzisteig. Das historische Bauwerk wurde zwischen 1854 und 1856 errichtet und diente über 100 Jahre lang als geschützte Retablierungs- und Schlafstelle für die Soldaten der Festung St. Luzisteig. 1985 bis 2003 wurde es als Materialmagazin benutzt. Nachdem es für kurze Zeit leer stand, kaufte es die Stadt Maienfeld und der Verein «Militärmuseum St. Luzisteig» wurde gegründet.

«Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht – dieses Haus ist voller Leben. Es erzählt nicht nur eine, sondern viele Geschichten.» Marco möchte mehr wissen. Gespannt öffnet er die riesengrosse Flügeltür mit Eisenschloss und passiert die wuchtigen Steinmauern ins Innere des Museums…

Im Militärmuseum wird unter anderem an die Rolle des Pferdes in der Schweizer Armee erinnert.

Film und Führung durch das Museum

Hier erwartet Marco eine besondere Persönlichkeit: Hans Rüdi Grass ist ehemaliger Soldat und Unteroffizier (Wachtmeister) in der Geb Div 12 (Grosser Truppenverband Gebirgsdivision 12 der Kantone Graubünden, Glarus und Uri) seit der Gründung des Militärmuseums mit verschiedenen Aufgaben betraut und jetzt dessen Präsident.

Voller Begeisterung führt er Marco durch den Ausstellungsraum im unteren Stock. Zu sehen ist ein einer Pferdekutsche ähnlicher Wagen, ein «Einkaufswagen», der als solcher von 1966 bis 2003 der Trainschule Luzisteig diente und auch für die Ausbildung der Rekruten im Gespannfahren verwendet wurde sowie eine originale Militär-Küche mit allem Zubehör, das man sich vorstellen kann: Messer, Töpfe, Teller, Kelche, sogar ein Werkzeugkoffer ist mit dabei.

Im oberen Stockwerk befinden sich verschiedene Waffen, Uniformen und allerlei militärische Utensilien. Anschliessend bekommt Marco einen Film gezeigt – Thema: Die Geschichte der Luzisteig seit der Römerzeit bis heute. Klingt interessant?

Ist es auch!

Die St. Luzisteig ist eine Passstrasse zwischen Balzers (LI) und Maienfeld (CH). Auf dem ca. 1km langen Sattel befinden sich zwei historische Gebäudegruppen: Zum einen die Luzikirche mit dem Landgasthof sowie dem Militärmuseum (Gemeinde Maienfeld), zum anderen die Festung, früher die Verteidigungsstellung der Schweizer Armee, mit Kaserne und Kantinen (Gemeinde Fläsch, CH). Die Luzisteig gilt als der am meisten umkämpfte Platz in der Schweiz und die Festung hat als militärhistorisches Denkmal eine grosse nationale Bedeutung.

Was macht den Pass, abgesehen von den historischen Gebäuden und der Festung, aber nun wirklich so interessant? Bodenfunde bezeugen, dass der Pass bereits seit der Jungsteinzeit begangen wird – das sind sage und schreibe über 6000 Jahre! Unglaublich und wirklich wahr. Was ausserdem belegt werden konnte, ist, dass das Gebiet um den Pass bereits seit der Bronzezeit (ca. 2200 bis 800 v. Chr.) besiedelt ist. Aus römischer Zeit stammen Münzen, eine Bronzestatuette des Wassergottes Neptun, Bergkristalle und Geschirr.

Marco kann es kaum glauben und ist von diesem Ort besonders angetan: «Der Grenzübergang in die Schweiz ist wirklich einen Ausflug wert. Ich bin jedes Mal beeindruckt, wenn ich diesen passiere. Die Gegend hier ist sehr idyllisch und zusammen mit der Historie dieses Ortes ist dieser für mich ein spannendes Ausflugsziel.»

Harmonisches Nebeneinanderleben

Historisch betrachtet ein Ort, an dem stetige Aufruhr herrschte, ist es in den letzten Jahrzehnten, zumindest in den Medien, ruhig um ihn geworden. Ein letzter Zwischenfall ereignete sich im Jahre 1985, als bei Schiessübungen der Schweizer Armee ein Waldbrand in Balzers ausgelöst wurde. In den Jahren zuvor hatte es bereits mehrere solche Vorfälle gegeben. Da man auf beiden Länderseiten schon lange an einem harmonischen Verhältnis zum jeweiligen Nachbarn interessiert war, konnte aber auch für dieses Problem unter gegenseitigem Respekt eine gute Lösung gefunden werden.

«Für mich ist schön zu sehen, dass wir hier im Drei-Länder-Eck Schweiz-Liechtenstein-Österreich trotz den Landesgrenzen in Freundschaft zusammenleben und uns durch unsere Kulturen, die doch auch von Unterschieden geprägt sind, gegenseitig inspirieren können.» – so Marcos abschliessende Worte, bevor er wieder ins Auto steigt und zurück in die FMA fährt.

Marco Königer, ehemaliger Mitarbeiter der FMA

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